Meldungen aus dem Bezirksverband Braunschweig

Geschichts- und Erinnerungstafel auf einer der größten Kriegsgräberstätten in Süd-Niedersachsen

Einweihung unter Corona-Bedingungen in Salzderhelden

Die Kriegsgräberstätte Salzderhelden mit der Geschichts- und Erinnerungstafel

In Salzderhelden, nahe bei Einbeck, liegt eine der größten Kriegsgräberstätten Süd-Niedersachsens. 377 Kriegstote sind hier bestattet. Fast alle von Ihnen verloren ihr Leben am Ende des Zweiten Weltkriegs, im April 1945.

Ein Wahlpflichtkurs der Löns-Realschule (Einbeck) hat eine Geschichts- und Erinnerungstafel für diese Kriegsgräberstätte erarbeitet. Landrätin Astrid Klinkert-Kittel hatte das Projekt im Oktober 2018 angeregt, das Schulleiter Jörn Kretzschmar aufgriff und an seiner Schule implementierte. Zunächst besuchten die Schülerinnen und Schüler die Kriegsgräberstätte und arbeiteten dann mit ihrem Lehrer Kai Gosse über das Kriegsende in der Region. Entstanden ist eine bemerkenswerte Geschichts- und Erinnerungstafel, die am 29. Oktober 2020 eingeweiht wurde.

Der Ortsbürgermeister von Salzderhelden Dirk Heitmüller und die Bürgermeisterin von Einbeck Dr. Sabine Michalek betonten die Bedeutung der Bildungsarbeit des Volksbunds. Die Arbeit auf Kriegsgräberstätten, die Recherchen zu den Toten und das Nachdenken über die Umstände, unter denen sie ihr Leben verloren, helfen heute jungen Menschen zu verstehen, welche Bedeutung Frieden und eine offene, demokratische Gesellschaft haben. Schulleiter Kretzschmar griff diesen Gedanken auf. Eine Kriegsgräberstätte wie die in Salzderhelden sei ein idealer außerschulischer Lernort, um die Sensibilität der Jugendlichen zu schärfen. Die Konfrontation mit dem Schicksal der Toten, von denen viele das Alter der Schülerinnen und Schüler hatten, ermögliche einen authentischen Zugang zu den historischen Ereignissen.

Genau das betonten Maxime Schwenzow und Dustin Ebbighausen – Schüler, die an der Geschichts- und Erinnerungstafel gearbeitet hatten:
„Auch die Tatsache, dass junge Soldaten, grade einmal 18 Jahre alt, so überzeugt davon waren, einen längst verlorenen Krieg in den letzten Tagen doch noch gewinnen zu können, hat uns zum Nachdenken gebracht.
Für uns war es wichtig, mit dieser Gedenktafel ein wenig mehr über diese Zeit zu erfahren und über die Zusammenhänge um die nationalsozialistische Erziehung und Indoktrination aufzuklären. Wir Schülerinnen und Schüler sind uns einig: Krieg darf es nie wieder geben. Ein Grund mehr für uns hiermit ein Zeichen der Erinnerung zur Wahrung des Friedens zu setzen.“

Landrätin Astrid Klinkert Kittel danke dem Engagement der Löns-Realschule. In den Mittelpunkt ihrer Ausführungen stelle sie den Satz, den man oft auf Kriegsgräberstätten liest: „Den Lebenden zur Mahnung“. Die Geschichts- und Erinnerungstafel präsentiere gekonnt die besondere Situation in der Region. Im Frühjahr 1945 gab es hier 8 KZ-Außenlager: „Wohl keiner der hier beerdigten Soldaten starb in dem Bewusstsein, durch sein militärisches Handeln das Leiden in den Konzentrationslagern zu verlängern. Aber wir, die Nachgeborenen, wir kennen die Zusammenhänge: Der militärische Widerstand der deutschen Armee brachte nicht nur den jungen deutschen Soldaten den Tod, er verzögerte auch die Befreiung der Lager und verhinderte das Überleben vieler Gefangener.“
Die Geschichts- und Erinnerungstafel sei die gelungene Umsetzung der Prinzipien der Bildungsarbeit des Volksbunds, wie sie in der Göttinger Erklärung formuliert sind, nämlich „Schuld und Verantwortung in ihren historischen und politischen Zusammenhängen herauszuzuarbeiten“. Sie werde dafür sorgen, dass Besucher der Kriegsgräberstätte Salzderhelden die Mahnung verstehen, die von ihr ausgeht.

Text und Bild: Dr. Rainer Bendick, Bildungsreferent

 

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