Meldungen aus dem Bezirksverband Braunschweig
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Endlich Aufklärung über die Kriegstoten auf dem Friedhof Harlingerode

Ein Projekt mit dem Werner-von-Siemens-Gymnasium, Bad Harzburg

Ein Gedenkstein mit der Inschrift: „Hier ruhen gefallene Soldaten und uns Leben gekommene ausländische Zivilisten des Krieges 1939–1945.“

Ein Gedenkstein, der mehr Fragen aufwirft als Antworten gibt: Wer waren die „ausländischen Zivilisten“ und warum „kamen sie ums Leben“? Volksbund

Harlingerode ist ein Ortsteil von Bad Harzburg. Auf dem Friedhof steht ein Gedenkstein mit der Inschrift: „Hier ruhen gefallene Soldaten und ums Leben gekommene ausländische Zivilisten des Krieges 1939–1945.“ Ein Blick in die Gräberliste zeigt, dass nur ein deutscher Soldat in Harlingerode bestattet wurde und 13 Menschen, die nicht aus Deutschland kamen. Unter ihnen ein siebenjähriges Kind. Viele dieser Menschen starben jung, gerade 20-jähig, an – wie die Sterbeurkunden vermerken – „allgemeiner Schwäche“.

Schülerinnen und Schüler des Werner-von-Siemens-Gymnasiums (Bad Harzburg) haben über das Schicksal der Toten geforscht und dabei die bedrückende Geschichte der Zwangsarbeit in den Hüttenwerken von Harlingerode aufgedeckt. Auf einer Geschichts- und Erinnerungstafel haben sie die Ergebnisse ihrer Recherchen festgehalten.

Bürgermeister Abrahms und Landrat Dr. Saipa, zugleich Kreisvorsitzender des Volksbundes, dankten den Schülerinnen und Schülern für die Aufklärung, die ihre Arbeit geschaffen habe. „Der Wunsch, die Vergangenheit möge sich nicht wiederholen, geht nur dann auf, wenn man weiß, was sich nicht wiederholen soll“, erklärte Landrat Dr. Saipa. Mit dem Verschwinden der Zeitzeugen verleiht das Projekt der Schülerinnen und Schüler der Aufklärung und Erinnerung Dauerhaftigkeit.

Schulleiterin Inga Rau hob die großen Lernmöglichkeiten hervor, die das Projekt Geschichts- und Erinnerungstafel eröffnet: „Schülerinnen und Schüler arbeiten über die Geschichte, in der man sich auskennen muss, um sich in der Gegenwart zurecht zu finden.“ Die Präzisierungen und Erklärungen zu den Formulierungen des Gedenksteins zeigen, wie Schülerinnen und Schüler mit ihrem Wissen und Können in der Gegenwart wirksam werden.

Unter der Leitung ihres Geschichtslehrers Lukas Friedrich erarbeiteten die Schülerinnen Amelia Adamiec, Melina Skotarek, Lina Rashad und der Schüler Louis Heger die Tafel im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft außerhalb der regulären Unterrichtsverpflichtung. Während der Einweihung erklärten sie ihre Arbeit. Oft habe man den Eindruck, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus irgendwo fernab geschehen seien, „aber die Ereignisse fanden nicht irgendwo, sondern vor unserer Haustür statt“, sagten sie. Betroffen zeigten sie sich von den Bedingungen der Zwangsarbeit, den Todesursachen und das Alter der Toten, wovon der Gedenkstein nichts berichtet.

Die Geschichts- und Erinnerungstafel erklärt das grausame Schicksal von Menschen, die gegen ihren Willen nach Deutschland verschleppt wurden und hier elend starben. Die historischen und politischen Zusammenhänge können wir erklären. Antworten, die über das Feld der Geschichte, der Politik hinausreichen, gab Pfarrer Martin Fiedler. Er beendete die Veranstaltung mit einem Appell: „Wir tragen keine unmittelbare Schuld, aber wir stehen in der Nachfolge, denn wir wissen was geschah und können uns nicht davonstehlen. Wir können nichts ungeschehen machen, aber wir können es nie wieder geschehen lassen.“

Dr. Rainer Bendick Bildungsreferent

Bezirksverband Braunschweig